Audemars Piguet bricht 2026 endgültig aus dem langen Schatten der Royal Oak aus. Mit der neuen „Neo Frame“ Kollektion besinnt sich die Manufaktur aus Le Brassus auf ihre Wurzeln im Bereich der Formuhren und präsentiert einen Zeitmesser, der radikal anders ist: Die Neo Frame Jumping Hour. Inspiriert von der „Streamline Moderne“ der späten 1920er Jahre, verzichtet dieses Modell komplett auf Zeiger und setzt stattdessen auf digitale Fensteranzeigen. Ich habe mir dieses architektonische Kunstwerk genauer angesehen.



Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick:
- Gehäuse: 18 Karat Roségold in rechteckiger Form mit markanten „Gadroons“.
- Anzeige: Springende Stunde bei 12 Uhr, schleppende Minute bei 6 Uhr.
- Werk: Erstes Automatik-Manufakturkaliber mit springender Stunde (Kal. 7122).
- Heritage: Direktes Zitat des Pre-Model 1271 von 1929.
Technische Daten
| Marke | Audemars Piguet |
| Modell | Neo Frame Jumping Hour |
| Referenz | 15245OR.OO.D206VE.01 |
| Werk | Kaliber 7122 (Automatik) |
| Gangreserve | 52 Stunden |
| Gehäusematerial | 18 Karat Roségold |
| Abmessungen | 32,6 mm (Breite) x 34,0 mm (Länge) |
| Dicke | 8,8 mm |
| Wasserdichtigkeit | 20 Meter |
| Glas | Saphirglas (schwarz PVD-beschichtet) |
| Armband | Schwarzes Kalbsleder mit Dornschließe |
| Preis | 64.900 € (UVP inkl. MwSt.) |
Design & Verarbeitung
Das Erste, was beim Auspacken der Neo Frame auffällt, ist die haptische Qualität des Roségold-Gehäuses. Die sogenannten „Gadroons“ – vertikale Einkerbungen an den Flanken – verleihen der Uhr eine architektonische Tiefe, die an die Streamline-Ästhetik alter Ozeandampfer erinnert. Die Verarbeitung ist, wie von AP gewohnt, auf absolutem Top-Niveau: Die Wechselwirkung zwischen satinierten Flächen und polierten Kanten an den Gadroons ist ein echtes Highlight.
Das „Zifferblatt“ ist eigentlich eine schwarz PVD-beschichtete Saphirglasplatte. Die Fenster für Stunde und Minute sind präzise in diese Platte eingelassen und mit roségoldfarbenen Rahmen eingefasst. Besonders faszinierend ist der Übergang vom Glas zum Gehäuse: Das Saphirglas schließt bei 12 und 6 Uhr bündig ab und geht fast nahtlos in das strukturierte Kalbslederband über, was der Uhr eine monolithische Präsenz verleiht.




Gehäuse und Wasserdichte
Trotz der rechteckigen Form dürfte sich die Neo Frame überraschend kompakt tragen lassen. Mit einer Länge von 34 mm ist sie auch für schmalere Handgelenke hervorragend geeignet. Die geringe Bauhöhe von nur 8,8 mm sorgt dafür, dass die Uhr mühelos unter jede Hemdmanschette gleitet.
Das Kalbslederband soll besonders weich sein und verfügt über ein spezielles Texturmotiv, das die Linienführung des Gehäuses aufgreift. Ein kleiner Wermutstropfen für den Alltag ist die Wasserdichtigkeit von nur 20 Metern. Das macht die Neo Frame zu einer reinen Dresswatch für trockene Anlässe – Händewaschen ist okay, aber der Sprung in den Pool ist tabu.
Werk & Funktion
Im Inneren schlägt das neue Kaliber 7122. Es ist das erste Automatikwerk der Manufaktur, das speziell für diese Komplikation entwickelt wurde. Es basiert auf dem ultraflachen Kaliber 7121 der Royal Oak „Jumbo“, wurde aber für das Fenster-Layout (à guichets) massiv modifiziert.
Technisch gesehen ist die springende Stunde eine Herausforderung, da der Schaltvorgang viel Energie benötigt. AP löst dies durch Leichtbau: Die Stundenscheibe besteht aus Titan, die Minutenscheibe aus Aluminium. Dies schützt das Werk bei Erschütterungen und sorgt für einen präzisen Schaltvorgang exakt zur vollen Stunde. Durch den Saphirglasboden kann man die handgefertigten Brücken bewundern, die in ihrer Form die Architektur des Gehäuses widerspiegeln.
Preis-Leistung & Alternativen
Mit einem Preis von knapp 65.000 € ist die Neo Frame Jumping Hour ein klares Statement-Piece für Sammler. Im Vergleich zur Konkurrenz innerhalb der „Holy Trinity“ positioniert sie sich als modernere, technisch überlegenere Alternative zu Vintage-Klassikern wie der Patek Philippe Ref. 3969 oder der Vacheron Constantin Saltarello, die meist nur mit Handaufzug oder älteren JLC-Basiskalibern ausgestattet sind.
Ein großer Pluspunkt ist der „AP Coverage Service“. Dieser bietet für zwei Jahre kostenlosen Schutz gegen Diebstahl und funktionale Schäden – ein wichtiges Sicherheitsnetz bei einer solch exklusiven Investition .
Fazit
Die Audemars Piguet Neo Frame Jumping Hour ist mehr als nur eine Uhr; sie ist ein Manifest für die Zeit nach der Royal Oak. Sie ist mutig, historisch fundiert und mechanisch brillant umgesetzt.
✔️ Vorteile
- Radikal eigenständiges Neo-Vintage-Design, inspiriert von einem seltenen Audemars-Piguet-Modell aus den 1960er-Jahren
- Innovative Jumping-Hour-Anzeige mit digitaler Stundenanzeige und Minutenzeiger für maximale Designfreiheit
- Leichtes, modernes Gehäuse aus Sandgold mit futurischer rechteckiger Rahmenarchitektur
- Hochwertiges Manufaktur-Automatikwerk mit sauber integrierter Sprungstunden-Komplikation
- Exzellente Verarbeitungsqualität und Finissierung auf Haute-Horlogerie-Niveau
- Sehr hohe Exklusivität durch limitierte Auflage und außergewöhnliches Konzept
❌ Nachteile
- Sehr hoher Preis im absoluten Luxus- und Sammlersegment
- Unkonventionelles Design polarisiert stark und ist nicht für klassische Uhrenträger geeignet
- Ablesbarkeit erfordert kurze Eingewöhnung durch Jumping-Hour-Anzeige
- Keine Sport- oder Alltagsuhr, sondern klar als Design- und Sammlerstück positioniert
Gesamtbewertung: 9.0/10
Kaufempfehlung: Für den Kenner, der die Geschichte von AP jenseits der Sportuhren schätzt und eine Formuhr mit echter mechanischer Substanz sucht.
FAQ
Nein, die Neo Frame Jumping Hour ist ein reguläres Modell der neuen Kollektion, auch wenn die Produktionsmengen aufgrund der Komplexität gering bleiben dürften.
Definitiv nicht. Die Wasserdichtigkeit von 20 Metern schützt lediglich vor leichtem Spritzwasser.
AP empfiehlt einen jährlichen Check der Wasserdichtigkeit und Funktionen (kostenlos in der Boutique) sowie eine komplette Wartung alle 5-7 Jahre .
Die Uhr ist exklusiv in Audemars Piguet Boutiquen und AP Houses erhältlich.